Die Tiere in den Legenden der Traumzeit
Auch in der westlichen Welt hatten und haben Erzählungen über die Tiere einen hohen literarischen und bildenden Stellenwert. Und sie waren und sind eigentlich bei Menschen jeder Altersklasse sehr beliebt.
Die westliche Kultur betrachtet den Griechen Äsop (600 v. Ch.) als den Begründer einer Erzählungsform, über „vermenschlichte“ Tiere die Verhaltensregeln im Zusammenleben der Mitmenschen dar- und oft auch bloßzustellen. Und die Schlusspointe war stets eine moralische, praktische oder religiöse „Belehrung“.
Dabei wissen wir, dass Fabeln schon rund 2000 Jahre vor Christi bei den Sumerern in Mesopotamien, auch bei den Chinesen, Ägyptern und Babyloniern eine volkstümliche und beliebte Art war, Probleme des Alltags über Handlungen von Tieren darzustellen.
Einen großen Einfluss auf die deutsche Fabeldichtung hatten ab Ende des 17.Jahrhunderts die Franzosen, die die Fabel zu einer eigenen Textgattung gestalteten. Sie gaben ihr die kurze prägnante Form, die schnell erkennbare Problematik und die daraus resultierende Moral. In Deutschland hatte die Fabeldichtung im18.Jahrhundert mit Gellert und Lessing ihren Höhepunkt erreicht.
Fabelbücher gehörten neben der Bibel damals zur „literarischen Grundausstattung“ des bürgerlichen Haushaltes.
Alle die sich im Laufe der Jahrhunderte herausbildenden Charakteristika der Fabel haben die Tierlegenden der Aboriginal People von Anfang an. Sie handeln in der Zeit der Creative Ancestors. Sie beschreiben, warum manches heute so ist, wie es ist. Und warum es so wurde.
Vor mindestens 10 Tausend Jahren verfügten die Ureinwohner schon über die mündliche Fabelüberlieferung. Mit den Zielen der Erklärung, der Beschreibung, der Belehrung und der Strafenandrohung.
Wieder einmal lassen die Ureinwohner die westliche Welt in ihrem Anspruch auf Vollkommenheit gegenüber den „Steinzeitmenschen“ in Terra australis alt aussehen.
Ich habe versucht, in diesem Kapitel kleine zusammenhängende Komplexe zu gestalten, wenn es die gleiche Tiergattung betraf. Trotzdem sind die hier erzählten rund 70 Legenden natürlich nur ein kleiner, aber sicher repräsentativer Ausschnitt aus dem Tierlegendenschatz der Ureinwohner. Auch in den anderen Hauptkapiteln sind immer wieder Geschichten zu lesen, in denen Tiere die Hauptrolle spielen, deren Handlungen aber zu grundlegenden Kenntnissen oder Auffassungen, hier denke ich zum Beispiel an die Legende von der Entstehung der Sonne, für die Ureinwohner führten.
Wir haben in den vorgehenden Kapiteln gehört, welch große mythische Bedeutung der Uluru für das Aboriginal People hat.
Viele der Tiere, die am Uluru leben sind auch Totemtiere der Ureinwohner.
Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt und auch über einige ausgestorbene (ausgerottete)Tiere wie zum Beispiel den Tasmanischen Tiger ausführlich zu erzählen.
Die Tiere in den Legenden der Traumzeit