Legenden der Traumzeit
Legenden der Traumzeit
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Vorwort zu „Legenden der Traumzeit“
Nachdem ich über die Entstehung des Kontinents Australia, über die Besiedlung und über den sich beim Indigenous People entwickelten Mythos Traumzeit berichtet habe, kommt nunmehr eine Wiedergabe von recht vielen Legenden der Traumzeit. Zunächst möchte ich betonen, dass das nur eine Auswahl der von mir gesammelten Legenden ist. Ich habe diese im Internet oder in Büchern gefunden, übersetzt und literarisch bearbeitet. Viele der Legenden haben mir australische Journalisten, Künstler, Ärzte, Visitor Center Mitarbeiter, aber auch Siedler erzählt, Und in einigen wenigen Fällen stammen die Überlieferungen sogar von Ureinwohnern, die zum Teil meine Aufzeichnungen in Handlung oder Darstellung korrigierten. Oder aber sogar mir unbekannte Legenden erzählten.
Natürlich kann man schon beim “Mythos Traumzeit“ ohne Legenden keine verständliche Niederschrift erstellen.
Dem Leser ist ja nunmehr bekannt, dass es bei den Ureinwohnern keinerlei schriftliche Überlieferung gibt. Storys, Musik und Songs, Tänze, künstlerische Gestaltungen- dass sind die Medien der Überlieferung.
Niemand weiß, was dabei im Wegfall von über 200 Sprachen schon verloren ging, was von den Briten am Anfang falsch verstanden und deshalb auch falsch niedergeschrieben wurde. Und was sich noch, für uns Weiße unerreichbar, im kulturellen Fundus der vielen Aboriginal People befindet.
Doch glaube ich, dass auch die hier aufgeführten Legenden einen ganz guten Einblick in die Denkweise der Ureinwohner geben. Eine sehr breit gefächerte und von Neugier auf das Verständnis der Umwelt geprägte Ideologie.
Es ist sehr erstaunlich, in welch breiter Basis sich die Ureinwohner mit der Entstehung des Weltalls, des Mondes, der Sonne, der Milchstrasse schon vor 40.000 Jahren beschäftigen. Die westlichen Erkenntnisse darüber beginnen vor einigen tausend Jahren bei den Ägyptern und den Griechen. Und sie blieben nur einer kleinen elitären Schicht vorbehalten.
Und so kann ich nur noch einmal betonen: „Was für eine Anmaßung von uns Weißen, das Aboriginal People als zurückgebliebenes Steinzeitvolk zu betrachten. Jeder der Ureinwohner könnte, allein auf sich gestellt, im Outback überleben. Seine Kultur, zu der auch die Legenden gehören, liefert ihm dafür die Verhaltensregeln.“
Ich habe bei den einzelnen Legenden einige Male die Erkenntnisse der Ureinwohner mit den Ergebnissen der ägyptischen und griechischen Weltbetrachtung verglichen. Erstaunlich! Nicht nur die fast gleichen Ergebnisse, sondern besonders die breite Basis der auf dem riesigen Kontinent weit auseinander lebenden Ureinwohner, die kaum Kontakt untereinander hatten. Und trotzdem sich sehr ähnelnde Legenden erzählten.
Bei den Tierlegenden der Ureinwohner, wo ich ein besonderes Vorwort geschrieben habe, ist der Fakt der Fabelerzählung, in der Tiere menschliche Rollen übernehmen, für die Aboriginals selbstverständlich.
Die westliche Kultur jubelt über die Idee der für Menschen belehrenden Fabel und erklärt Äsop (600v.Ch.) zum Stammvater der Tierfabel, obwohl man solche Erzählungen auch auf den Tontafeln der Sumerer und Babylonier vor 2000 Jahren gefunden hat.
Für mich sind die australischen Ureinwohner die ersten „Fabulierer“ der Menschheit.
Viel Spaß beim Lesen der Legenden der Traumzeit.
Foto: Michael J Connolly
Munda-gutta Kulliwari
Dreamtime Kullilla-Art
www.dreamtime.auz.net